Wie in guten so in schlechten Zeiten – Anleitung zum professionellen krank sein

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Gesundheit ist unser höchstes Gut. Trotzdem erkranken wir ab und zu. Ein zunehmender Anteil davon für eine lange Zeit. Hier findest du die wichtigsten Informationen für dich selbst. Um aber auch ein Verständnis für die Situation deines Arbeitgebers zu erhalten, werde ich im Anschluss auf weitere wichtige Punkte eingehen.

Als erstes möchte ich über meine persönliche Meinung über ein professionelles Verhalten bei Langzeiterkrankung sprechen.

Das Verhalten

Langzeitkrank bedeutet oft eine schwere Last für den Betroffenen. Eine Lücke hinterlässt du allerdings auch für deine Kollegen. In vielen Fällen ist es dir während deiner Abwesenheit möglich, kleine aber entscheidende Unterstützung zu leisten.
Unter Berücksichtigung folgender Vorgehensweisen, kannst du in deiner Erkrankung einen positiven Effekt für deine Karriere bewirken:

Offenheit

Teile deinem Vorgesetzten deine Erkrankung mit. Sofern du Vertrauen zu ihm hast, informiere ihn über die Diagnose, aber auch über deinen mentalen Zustand. Dieses Verhalten stärkt das Vertrauen und eure Beziehung. Dein Chef wird somit alles daran setzen, dich zu halten. Bestenfalls unterstützt dich das Unternehmen sogar mit der Bezahlung von Sonder-Therapien beispielsweise.

Melde dich frühzeitig für einen längeren Zeitraum krank

Die Möglichkeit deine Stelle interimistisch zu besetzen ist nur gegeben, wenn dem Arbeitgeber ein längerer Ausfall bewusst ist. Sollte sich herausstellen, dass der Zeitraum der Krankmeldung zu lange gewählt wurde, kannst du dies später noch ändern. Beachten solltest du allerdings die 24-Monats-Regel, die weiter unten ausgeführt ist.

Mache dich verzichtbar

Dieser Tipp muss schon vor der Erkrankung bearbeitet worden sein.
Strebe zu jeder Zeit danach, ersetzbar zu sein. Dokumentiere deine Tätigkeit und befähige andere, sie auch ausführen zu können. In gleichem Maße wichtig ist das Teilen deines Wissens.
Dies hilft nicht nur bei deinem Ausfall, sondern schafft dir die Möglichkeit, auf eine höherwertige Position zu wechseln. Menschen die unersetzbar sind, können schließlich nicht befördert werden.

Übergebe deine Themen

Sofern du mental und körperlich in der Lage bist, solltest du eine Übergabe machen. Bestenfalls geschieht dies direkt (z.B. telefonisch), aber auch eine indirekte Übergabe (z.B. Mail) hilft bei der Kompensation deiner Leistung. Hier eine Checkliste für Büromitarbeiter:

  • Übergabe von Regelaufgaben und Terminen.
  • Auflistung von offenen Tasks.
  • Vertreter definieren und an Kollegen und Kunden kommunizieren.
  • Eine E-Mail-Abwesenheitsnotiz eintragen.
  • Dein Telefon ist auf deinen Vertreter umgeleitet.
  • Informiere entweder die Kollegen oder die Kunden direkt über die Verzögerung nicht umsetzbarer Aufgaben.
  • Dein Vertreter weiß, ob und wie er dich im Notfall für Rückfragen erreichen kann.

Sollten dir Teile nicht möglich sein, ist dies vollkommen ok. Dies sollte dich allerdings nicht daran hindern, die anderen Punkte zu erfüllen.

Der Ablauf im Krankheitsfall

Ohne in die Details von Gesetzestexten zu versinken, möchte ich dir hier die wichtigsten Informationen zum typischen Ablauf im Krankheitsfall vermitteln:

  • Bis zum regulären Dienstbeginn musst du dich krank melden.
  • Spätestens ab einer Erkrankung von drei Tagen, bist du verpflichtet dem Arbeitgeber ein ärztliches Attest vorzulegen.
  • Wir erhalten 6 Wochen Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber.
  • Bist du länger krankgeschrieben, erhältst du von deiner Krankenkasse Krankengeld. Dies läuft maximal  1,5 Jahre ( 70 % deines Bruttoeinkommens).
  • Du darfst alles tun, was der Genesung dienlich ist (auch z.B. Sport, Urlaub).
  • Im Krankheitsfall bist du nicht urlaubsfähig. Falls du schon Urlaub eingereicht hast, ist der Antrag nichtig und dir stehen alle Urlaubstage weiterhin zur Verfügung.
  • Sollte deine Erkrankung länger als 1,5 Jahre andauern, solltest du dich um den Anspruch einer Erwerbsminderungsrente kümmern.
  • Den Antrag zur Frühverentung stellst du bei der Rentenversicherung.
  • Bestenfalls hast du eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen. Diese unterstützt dich im Krankheitsfall über die komplette Zeit mit zusätzlichem Geld. Bei einem hohen Betrag ist es zusätzlich sinnvoll, weiter in die Rentenkasse einzuzahlen. Nach Vertragsende (oft im Alter zwischen 60 und 67) kannst du somit auf eine gute Rente zurückgreifen.

Weitere Details zum Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG) findest du hier.

Die Sichten und Rechte deines Arbeitgebers

Da der Arbeitgeber bei Langzeiterkrankten keine zusätzlichen Kosten hat, liegt es nahe zu denken, dass es keinen Grund gibt das Vertragsverhältnis aufzukündigen. Es gibt allerdings einige Faktoren die dem Arbeitgeber langfristig finanziell schaden. Um ein Verständnis dazu aufzubauen, beschreibe ich im Folgenden ein typisches Szenario:

Zuerst wird kompensiert

Bei unklarer Lage, wird der Arbeitgeber keine Nachbesetzung der Stelle vornehmen. Der Erkrankte könnte jederzeit zurückkommen und man trägt für die Stelle plötzlich doppelte Kosten. Also werden Aufgaben des kranken Mitarbeiters nicht mehr erledigt und häufig an andere Kollegen übertragen. Die Folgen sind:

  • zusätzliche Belastung
  • Stress
  • Unzufriedenheit

Der Arbeitgeber entscheidet sich für eine Vertretung

Sollte man sich doch für eine Vertretung entscheiden, muss diese erst gefunden und eingearbeitet werden. Dies kostet viel Zeit und die Produktivität leidet.

Die Stimmung kippt

In größerem Ausmaß führen solche Situationen zu einer schlechten Stimmung. Damit sinkt wiederum die Motivation der Kollegen und dies führt zu einer schlechteren Leistungsfähigkeit im Team. Möglicherweise werden nun Timelines gerissen und es kommt zu zusätzlichen Kosten.

Das Unternehmen wird mit reingezogen

Der Schmetterlingseffekt breitet sich weiter aus und schwappt aus dem Team auf das Unternehmen über. In Folge sinkt die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens. Das Unternehmen erkrankt und kann im Wettbewerb nicht bestehen.

Das Image des Unternehmens ist in Gefahr

Mangelnde Qualität oder verspätete Lieferung können sehr schnell dem Image deines Arbeitgebers schaden. Diese Schädigung lässt sich schwer wieder ausbügeln.

Die Möglichkeit der Kündigung

Dein Arbeitgeber hat also verständlicherweise das Recht dir zu kündigen. Dazu muss er allerdings sehr starke Gründe nachweisen. Hier einige Details dazu:

  • Bei langanhaltender Erkrankung (nach mindestens 8 Monaten) kann dir dein Arbeitgeber kündigen, wenn eine Genesung innerhalb von 24 Monaten nicht in Sicht ist.
  • Bei Kurzzeiterkrankungen hat der Arbeitgeber kein Recht der Kündigung, sofern du deinen Pflichten nachkommst. Nur durch Fehlverhalten und Abmahnungen ist hier eine Kündigung möglich.
  • Ausnahme hierzu bietet die Negativprognose. Wenn du wiederkehrend erkrankst, kann festgestellt werden, dass die Prognose für eine positive Veränderung der Situation nicht gegeben ist. Dies gilt insbesondere für chronische Erkrankungen.

Am Ende stehen die eigenen Interessen gegen die des Arbeitgebers.

Ich persönlich gehe allerdings vom Guten im Menschen aus und empfehle einen kooperativen Umgang. Mehrere Male bereits durfte ich erleben, dass durch einen offenen Austausch zwischen Mitarbeiter und Unternehmen, gute Ergebnisse erzielt werden konnten.

Für beide Seiten gilt: Beharre also nicht zu sehr auf deine Rechte, sondern kooperiere!

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