Die kollegiale Fallberatung – Meine beliebteste Methode zur kreativen, kooperativen Problemlösung

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Was ist eine Kollegiale Fallberatung?

Für welche Anliegen eignet es sich?

Bei der kollegialen Fallberatung handelt es sich um Beratungsgespräche mit relativ kleinem Moderationsbedarf. Darin wird ein konkretes Anliegen innerhalb einer Gruppe besprochen. Im Gegensatz zum klassischen Brainstorming hat diese Methode einen mehrstufigen, systematischen Prozess und ist zeitlich eingegrenzt. Es gibt klar definierte Rollen und in den jeweiligen Prozessschritten ist klar geregelt, wer welche Aufgabe hat. Insbesondere bei sensiblen Themen muss es in der Runde möglich sein, offen und vertraulich damit umzugehen.

Der Fallgeber stellt hierbei eine ganz konkrete, aktuelle Situation dar, die gemeinsam diskutiert wird. Am Ende steht dann eine Liste an Optionen die der Fallgeber weiter verarbeiten kann.

Beispiele aus dem beruflichen Kontext

  • Unklarheiten in Projekten / Prozessen / Beziehungen
  • Konflikte mit Kolleginnen
  • Probleme bei der Umsetzung von Aufgaben

Auswahl der Teilnehmer / Berater

Optimale Teilnehmerzahl sind 5 Personen (+- 2). Alle Fallberater sollten möglichst verschiedene Sichtweisen und das komplette Meinungsportfolio abdecken. Dies könnten z.B. verschiedene Alters-, Berufs-, Charakter-, Hierarchie- oder persönliche Beziehungsgruppen sein.
Vermeide auf jeden Fall nur deine vier besten Vertrauten zu wählen. Das Ergebnis wird sicher kein objektives Bild der Situation widerspiegeln. Im schlimmsten Fall wirst du nur erfahren, was du schon wusstest.

Materialien

  • Flipchart oder Whiteboard
  • Stifte (verschiedene Farben)
  • Notizblöcke und Kugelschreiber für die Berater

Schritt für Schritt Anleitung für die kollegiale Fallberatung in fünf Schritten

Gesamtdauer

50 min

Schritt 1: Vorbesprechung (5min)

Erklärung der Regeln. Finden eines Moderators (hauptsächlich zur Kontrolle der Zeit).

Schritt 2: Schilderung des Falls (5 min)

Der Fallgeber schildert das Anliegen möglichst verständlich, vollständig und nachvollziehbar. Alle anderen hören nur zu und notieren sich gegebenenfalls Fragen auf dem Notizblock.

Schritt 3: Fragerunde (10 min)

Alle Berater fragen nach, um sicherzustellen, dass Sie das Anliegen richtig und vollständig erfasst haben.
Wichtig: Noch keine Interpretationen oder Deutungen vornehmen. Viele Fragen enthalten gerne schon Vorschläge (z.B.: Wäre es nicht besser…). Dies ist zu vermeiden bzw. durch den Moderator zu unterbinden.
Die Berater können sich hier ihre Ideen / Handlungsempfehlungen auf dem Notizblock notieren.

Schritt 4: Handlungsempfehlungen (15 min)

Die Berater interpretieren die Situation und sprechen Handlungsempfehlungen aus – ohne Diskussion (ähnlich wie beim Brainstorming). Der Fallgeber zieht sich hier verbal komplett zurück. Er notiert lediglich die Interpretationen der Berater auf dem Whiteboard / Flipchart. Alle Sichtweisen und Ideen sind erlaubt. Einzelne Teilnehmer können sich hier auch gerne widersprechen.

Schritt 5: Rückspiegelung (10 min)

Der Fallberater geht alle Notationen auf dem Whiteboard / Flipchart durch und streicht durch, was schon erledigt wurde oder nicht in Frage kommt. Alle weiteren Punkte werden in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht und sind die Basis für die weiteren Handlungsschritte.

Schritt 6: Auswertung (5 min)

Optional geben alle Beteiligten in der Runde Rückmeldung zur Fallberatung.
Was war gut? Was kann man bei der nächsten Fallberatung verbessern?
Wichtig: Hier geht es lediglich um Prozessverbesserungen, nicht mehr um Inhalte.

Hast du noch Fragen? Konntest du es bereits austesten? Schreib mir doch bitte deine Meinung.

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