Der Arbeitnehmerkanal Lifecycle – Findungsphase – Teil 3: Das Vorstellungsgespräch

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Endlich ist es soweit. Durch eine fantastische Bewerbung hast du ein Unternehmen überzeugt und freust dich über die Einladung zum Vorstellungsgespräch. Jetzt musst du dich „nur noch“ in einem Vorstellungsgespräch gegen eine Vielzahl von Mitbewerbern durchsetzen.

Wir bereiten dich mit diversen Tipps vor und erklären dir, was dich erwartet.

Die Vorbereitung

Egal zu welcher Art von Vorstellungsgespräch du eingeladen wirst, es ist immer wichtig sich darauf vorzubereiten. Hier sind einige Hilfestellungen für dich.

Die Stellenausschreibung

In der Stellenausschreibung steht grob Folgendes:

  • In welchem Aufgabenbereich arbeitest du?
  • Welche Fähigkeiten werden verlangt?
  • Informationen zum Unternehmensumfeld.

Da diese Informationen sehr kurz gehalten sind, darfst du gerne intensiver nachhaken. Hier einige Beispiele dafür:

  • Wie viele Kollegen sind in meinem Team? Wie ist die Aufgabenteilung? Wie organisiert sich das Team?
  • Es wurde Fähigkeit XY in der Anzeige erwähnt. Ich habe folgende Erfahrungen damit gemacht: … Ist dies vergleichbar, oder wie kann ich mir das Ganze bei Ihnen vorstellen?

Zeige großes Interesse und Offenheit für neue Sichtweisen. Zu vermeiden sind z.B. folgende Fragestellungen?

  • Wie groß sind die Büros? Mit mehr als einer anderen Person möchte ich nicht im Raum sitzen.
  • Wie ist das mit Sonderurlaub? Kann ich meine 30 Tage Urlaub noch erweitern. Ich mache gerne Weltreisen und benötige im nächsten Jahr zusätzliche fünf Wochen frei.
  • Da ich ja sehr erfahren bin, gehe ich davon aus, dass ich auch fachlich verantwortlich bin und die anderen Mitarbeiter sich nach mir richten. Oder?
  • Kann ich von einem stark überdurchschnittlichen Gehalt ausgehen? Ich weiß nicht, ob ich mich ansonsten für eine gute Leistung motivieren kann.

Das Unternehmen

Zum Standard gehört es, sich vor der Bewerbung mit dem Unternehmen auseinanderzusetzen. Die klassischen Fragen dazu sind:

  • Welche Standorte gibt es? Wo ist der Konzernsitz?
  • Womit verdient die Firma ihr Geld?
  • Welche Gesellschaftsform liegt vor (z.B. Aktiengesellschaft, GmbH)?
  • Wie viele Mitarbeiter / Kunden hat das Unternehmen?
  • Wann und von wem wurde die Firma gegründet?
  • Wie steht es um den Erfolg des Unternehmens? Wer sind die Konkurrenten? Wo ist man Branchenführer?
  • Wofür steht das Unternehmen?

Über folgende Medienkanäle kannst du dich informieren:

  • Firmenwebseite – Rubriken Über uns, Unternehmen.
  • Social Media Kanäle – Hierzu empfehle ich dir diesen Artikel.
  • Jobmessen bei denen das Unternehmen präsent ist.
  • Printmedien – Oft werden online Publikationen wie Kundenzeitschriften oder Produktbroschüren zum Download zur Verfügung gestellt.

Die Selbstpräsentation

Im Vordergrund des Vorstellungsgesprächs steht die Vorstellung deiner Person. Der Interviewer möchte also dich und deine Fähigkeiten kennen lernen. Viele Bewerber konzentrieren sich dabei nur auf die mündliche Vermittlung ihres Könnens. Recruiter achten allerdings auf viele weitere Faktoren (z.B. Selbstsicherheit, Authentizität).

Hier einige Stützen für eine perfekte Vorbereitung:

Kenne deine eigene Bewerbung

  • Du wirst zu deinen Fähigkeiten und Vita gefragt werden. Insbesondere bei der Darstellung von Fähigkeiten, sollten diese mit konkreten Beispielen untermalt sein.
  • Im Lebenslauf gibt es womöglich auch Besonderheiten auf die der Interviewer eingeht. Sei dir klar darüber, was du darauf antworten wirst.
  • Welche Themen würdest du gerne herausstellen? Lenke das Gespräch dorthin und überzeuge den Interviewer mit deinen Highlights.

Zeige großes Interesse

Bringe zum Vorstellungsgespräch Block und Stift mit. Notiere dir die wichtigsten Stichpunkte mit. Falls du dir unsicher bist, kannst du deine Fragen gerne auch vorher aufschreiben. Dies wird von Psychologen zwar als Unsicherheit wahrgenommen, ist aber immer noch besser als da zu sitzen und vor sich hin zu stammeln.

Sei selbstbewusst

Du kannst stolz sein, dass du eingeladen wurdest. Du bist für die Stelle relevant! Zeige dieses Selbstbewusstsein auch im Vorstellungsgespräch. Folgende Vorbereitungen können dich hier unterstützen:

  • Übe zuhause vor dem Spiegel
    Trage dir oder deinem Partner im Stehen und Sitzen deine Selbstpräsentation vor. Wiederhole es bis die Worte und Körpersprache passen.
  • Wähle die richtigen Worte
    Verstricke dich nicht in geschwollene Phrasen und Fremdwörter, deren Bedeutung du kaum kennst!
  • Falls du in einem Sprachraum mit starkem Dialekt wohnst, solltest du dringend ein akzeptables Hochdeutsch erlernen. Trainiere es immer wieder und verwende im Vorstellungsgespräch eine natürliche, zu dir passende Aussprache.
  • Zeige Überraschendes
    Hier einige Beispiele dazu:

    • Bei einem typischen Standardgespräch setzt man sich zu Beginn hin und steht zum Ende wieder auf. Vielleicht hat der Raum eine Tafel und du möchtest dort kurz etwas skizzieren.
    • Es ist Essen und Trinken eingedeckt. Nutze es! Während der Interviewer etwas erzählt, kannst du gerne etwas trinken oder dir einen Keks nehmen.
    • Bringe etwas mit. Vielleicht hast du ein Handout deiner Selbstpräsentation vorbereitet, vielleicht hast du ein relevantes Buch gelesen und möchtest es an den Interviewer verleihen…

Die Organisation

An dem Tag des Vorstellungsgesprächs, sollte nichts mehr schiefgehen. Dies sind meine Tipps zur Risiko-Minimierung:

  • Schau dir die Anfahrtszeit an und rechne ausreichend Puffer ein. Vielleicht möchtest du auch eine Alternative bereithalten (z.B. Zugausfall -> Mietauto).
  • Tanke dein Auto.
  • Bereite alles vor, was du mitnehmen möchtest (Block, Stift, Notizen, Unterlagen, Ausweis, Geld…).
  • Die Kleider sind gewaschen, gebügelt und unversehrt (Ich musste mal bei einem Anzug feststellen, dass er aus der Reinigung mit einem Loch zurückkam).

Der Dresscode

Die Kleiderwahl ist weiterhin branchenabhängig. Allerdings gibt es immer weniger Firmen (zum Glück) bei denen man extrem konservativ (mit Krawatte und Hochzeitsanzug) antreten muss. Heutzutage nennt sich die häufigste Kleiderwahl Business Casual oder Smart Casual.

Vergiss bitte nicht, dass auch die Frisur und das Make-up zum Dresscode gehören.

3 Arten von Vorstellungsgesprächen

Am Liebsten würde ich dir eine Schritt-für-Schritt-Anleitung liefern. Es gibt jedoch diverse Arten von Vorstellungsgesprächen, die in den Unternehmen auch noch unterschiedlich interpretiert werden. Hier findest du die Typischsten und Wichtigsten.

Das Assessment Center

Insbesondere bei Management-Positionen ist das Assessment Center eine sehr beliebte Methode. Sie zählt zu den härtesten Verfahren, erstreckt sich manchmal über mehrere Stufen und besteht aus diversen individuellen Komponenten.

Hier ein typischer Tagesplan für das Assessment Center für Führungskräfte:

TageszeitplanAufgabe
09:00 UhrBegrüßung
09:15 UhrKleine Vorstellungsrunde (2-3 Minuten pro Person)
09:45 UhrBriefing für die erste Übung - Gruppendiskussion
10:00 UhrSelbständige Vorbereitung auf eine Gruppendiskussion
10:15 UhrGruppendiskussion
10:45 UhrFrühstückspause
11:00 UhrBriefing Postkorbübung
11:10 UhrPostkorbübung
11:30 UhrErgebnispräsentation Postkorbübung inkl. Diskussion
12:00 UhrThemen-Präsentationsvorbereitung (Thema wird durch Recruiter frei gewählt)
13:00 UhrMittagessen
13:30 UhrEinzelpräsentation des Themas inkl. Diskussion
14:00 UhrBriefing und Vorbereitung auf fiktives Mitarbeitergespräch (Im Briefing wird die gestellte Situation und das Ziel erläutert)
14:30 UhrMitarbeitergespräch (Du bist hierbei die Führungskraft)
15:30 UhrKaffeepause
16:00 UhrDigitaler Einstellungstest (Themenbezogener Standardtest oder Allgemeintest, z.B. IQ-Test)
17:00 UhrGegenseitige Feedbackrunde und Teilauswertung
17:30 UhrEnde

Der Sinn hinter den unterschiedlichen Aufgaben ist einen möglichst kompletten Überblick zum Bewerber zu erhalten. Hier einige Beispiele, auf welche Details der Interviewer während den Aufgaben achtet:

  • Vorstellungsrunde – Erster Eindruck, Selbstbewusstsein
  • Gruppendiskussion – Welche Rolle nimmst du in der Gruppe ein? Wie stark kannst du argumentieren?
  • Postkorbübung – Logisches Denken, Umgang mit Stresssituationen
  • Themenpräsentation – Umgang mit Stresssituationen, Präsentationsaufbereitung  und -durchführung.
  • Mitarbeitergespräch – Führungsskills
  • Digitaler Einstellungstest – Intelligenz

Du möchtest noch mehr zu Assessment Center wissen? Dann empfehle ich dir folgendes Buch:

Assessment-Center erfolgreich bestehen: Das Standardwerk für anspruchsvolle Führungs- und Fach-Assessments

Das klassische Vorstellunggespräch

Das klassische Vorstellunggespräch ist im Ablauf und Inhalt standardisiert. Was erwartet dich?

  • Interview zu deiner Vita, deinen Fähigkeiten und Fragen zum Unternehmen
  • Klärung des fachlichen Knowhows
  • Es sitzen dir 1-3 Interviewer gegenüber
    • Führungskraft
    • Senior Fachkraft
    • Personalreferent
  • Man stellt dir eine Denkaufgabe
  • Du darfst Fragen stellen,

Es gibt Berufszweige in denen aktuell händeringend Personal gesucht wird ( z.B. Softwareentwickler). Hier kann es sein, dass sich der Interviewer sehr stark um dich bemüht. Sich trotzdem zu bemühen, schadet nicht. Es muss möglicherweise nur ein besserer Kandidat dabei sein und schon ist die Stelle weg.

In anderen Branchen kommen auf 1 Stelle 200 Bewerber (z.B. Journalist).Hier zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, ist schon beachtenswert. Um so mehr solltest du dich anstrengen und dein Bestes geben.

Hire attitude, train skills

Einige Unternehmen gehen davon ab, sich das fachlich qualifizierteste Personal ins Haus zu  holen. Sie achten (sofern die Grundlagen vorhanden sind) nur darauf, den richtigen Menschen für ihr Unternehmen zu finden. Man erhofft sich einen glücklichen, gut integrierten Kollegen, der dem Unternehmen lange treu bleibt.

Wie bei einem Rohdiamant, werden hier die entsprechenden Skills noch herausgeschliffen.

Diese Interviews führt meistens ein Mitarbeiter der Personalabteilung (oftmals Psychologen) oder ein dedizierter Konzernpsychologe durch.

Diese Vorstellungsgespräche kommen recht locker daher. Es geht um Hobbies, den letzten Kinobesuch. Man spricht über seine Werte, seine Einstellungen und offenbart unbemerkt den eigenen Charakter.

Wichtig hierbei ist es, ganz bei sich selbst zu bleiben (authentisch). Jeder Versuch nur zu gefallen, wird bemerkt und bewertet.

 

Wie bereits eingangs erwähnt, ist das Thema Vorstellungsgespräch sehr vielfältig und komplex. Wer sich noch intensiver damit auseinandersetzen möchte, ist mit einem der folgenden Buchtipps gut aufgestellt:

111 Arbeitgeberfragen im Vorstellungsgespräch: Absichten erkennen, Pluspunkte sammeln, Stolpersteine vermeiden
Erfolgreich im Vorstellungsgespräch und Jobinterview: Das Standardwerk für Führungs- und Nachwuchskräfte, mit CD-ROM (Whitebooks)

 

Falls du noch weitere Tipps hast, würde ich mich sehr über Feedback freuen!

Hier die bisherigen Artikel aus der Lifecycle Reihe:

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